Westend61 - stock.adobe.comWie Effizienzsteigerungen, smarte Technik und Preisdruck die Heizkostenentwicklung prägten.
„Nebenkostenschock“ titeln Zeitungen regelmäßig und treffen damit den Nerv vieler Mieter und Eigentümer. Während die Kaltmieten moderat steigen, ziehen die Nebenkosten deutlich an. Energiepreise, CO₂-Abgaben und höhere Wartungskosten lassen die monatlichen Belastungen spürbar ansteigen. In manchen Regionen sind sie inzwischen fast so hoch wie die Miete selbst. Dennoch hat sich im vergangenen Jahrzehnt vieles auch zum Positiven entwickelt: Der Energieverbrauch ist gesunken, digitale Technik hält Einzug und Transparenz wird zum neuen Standard. Die folgende Zeitreise zeigt, wie sich das Heizen seit 2015 verändert hat und wohin die Reise geht.
Communication Consultants GmbHSinkender Verbrauch, steigende Kosten
Jedes Jahr erstellt Minol die Heizkostenabrechnung für rund 1,8 Millionen Haushalte in Deutschland. Die Auswertung dieser Daten erlaubt einen fundierten Blick auf die Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren.
Das Ergebnis: Der Energieverbrauch ist deutlich gesunken – ein Fortschritt in Richtung Effizienz und Klimaschutz. Gleichzeitig sind die Heizkosten spürbar gestiegen. Wie sich das konkret auswirkt, zeigt unser Musterhaus.
Eine turbulente Entwicklung: Warum die Nebenkosten gestiegen sind
Seit einigen Jahren werden die Nebenkosten häufig als „zweite Miete“ bezeichnet. Insbesondere in Metropolregionen erreichen sie teils ein Niveau, das mit der eigentlichen Kaltmiete konkurrieren kann. Die Ursachen sind vielfältig. Ein wesentlicher Treiber war und ist der Energiehandel. Die Heizkosten unterlagen starken Schwankungen, insbesondere infolge geopolitischer Entwicklungen. Während die Ölpreise 2015/2016 von einem Überangebot, ausgelöst durch den US-Fracking-Boom, niedrig waren, zieht das Preisniveau seit 2017 deutlich an – begünstigt durch die Erholung der Weltwirtschaft, eine steigende Energienachfrage und Förderkürzungen seitens der OPEC+. Auch die Preise für Gas und Kohle steigen, mit unmittelbaren Folgen auf Strom- und Heizkosten.
Ein erhöhter CO₂-Zertifikatspreis von unter 10 Euro pro Tonne CO₂ im Jahr 2017 auf mehr als 80 Euro im Jahr 2025, die Einführung des CO₂-Preises und die geopolitische Lage verschärften den Kostenanstieg weiter.
Doch nicht nur Energie verteuert das Wohnen. Auch andere Bestandteile der Betriebskosten entwickeln sich dynamisch. Die Inflation und der Mindestlohn schlagen sich insbesondere bei Dienstleistungen nieder. Höhere Löhne im Handwerk und Dienstleistungssektor führen zu steigenden Kosten für Wartung, Hausmeisterdienste, Gebäudereinigung und Verwaltung.
Hinzu kommen öffentliche Abgaben wie höhere Grundsteuern, steigende Gebühren für Müllentsorgung und Abwasser sowie kommunale Umlagen. Diese wirken ebenfalls preistreibend. Die Summe dieser Entwicklungen führt dazu, dass Wohnnebenkosten für viele Haushalte zur echten finanziellen Belastung geworden sind.
Während im Jahr 2015 durchschnittlich 3.975 Euro Nebenkosten für eine 95 Quadratmeter große Wohnung anfielen (1.125 Euro für Heizen und Warmwasser und 2.850 Euro für Betriebskosten und Strom), muss ein 2-Personen-Haushalt im Jahr 2024 durchschnittlich 4.758 Euro berappen (1.457 Euro für Heizen und Warmwasser und 3.301 Euro für Betriebskosten und Strom). Ein Anstieg von ca. 20 Prozent.
Communication Consultants GmbHDigitalisierung als Treiber der Energieeffizienz: Wie smarte Technik den Verbrauch senkt
Die gute Nachricht: Während die Preise steigen, sinkt der Energieverbrauch. Trotz ähnlicher Witterung ging der durchschnittliche Verbrauch in den vergangenen zehn Jahren spürbar zurück: um neun Prozent bei Erdgas, knapp zwölf Prozent bei Heizöl und knapp 23 Prozent bei Fernwärme. Ein wichtiger Treiber für Energieeffizienz ist die Digitalisierung der Messtechnik. Seit 2022 verpflichtet die Heizkostenverordnung (HKVO) Vermieter und Verwalter dazu, ihre Wohnungen und Häuser mit moderner Funktechnologie auszustatten und Mietern regelmäßig unterjährige Verbrauchsinformationen (uVI) bereitzustellen.
Fensterplatz für Daten: Energieeffizienz braucht Transparenz
Was früher einmal jährlich auf der Heizkostenabrechnung stand, ist heute in Echtzeit per App abrufbar: Verbrauchswerte, Vergleichsanalysen und CO₂-Bilanzen. Die neue Transparenz hat die Art und Weise, wie Haushalte mit ihrer Heizenergie umgehen, verändert. Studien zeigen: Mieterinnen und Mieter, die ihre Verbrauchsdaten regelmäßig einsehen können, sind eher bereit, ihr Verhalten anzupassen und Energie zu sparen. Ein wichtiger Schritt für den Gebäudesektor, um bis 2045 klimaneutral zu werden. Jetzt müssen Vermieter diese Chance nutzen und die in der HVKO vorgeschriebene unterjährige Verbrauchsinformation bereitstellen, denn viele nutzen dieses Potenzial aktuell nicht. Laut einer Umfrage des VDIV erhalten nur etwa ein Drittel der Haushalte diese Informationen regelmäßig. Mehr zur transparenten Energienutzung.
Die Reise geht weiter: Energieeffizienz lässt sich noch deutlich steigern
Die vergangenen zehn Jahre haben gezeigt, dass Haushalte zunehmend Verantwortung für ihren Energieverbrauch und den eigenen CO₂-Fußabdruck übernehmen. Sinkende Verbräuche und ein wachsendes Bewusstsein für Effizienz belegen, dass der Kurs stimmt. Doch angesichts steigender Energiepreise und ehrgeiziger Klimaziele bleibt noch viel zu tun. Die flächendeckende Digitalisierung der Heizsysteme, die umfassende Bereitstellung von Verbrauchsdaten und der Einsatz smarter Technik sind entscheidend, um das volle Potenzial auszuschöpfen. Denn eines ist sicher: Wer seinen Verbrauch kennt und gezielt steuert, kann nicht nur bares Geld sparen, sondern auch einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
bnenin – AdobestockHeizkosten 2024: Geringerer Verbrauch, höhere Kosten – Trend der vergangenen fünf Jahre
Minol hat die Heizkostenabrechnungen für das Jahr 2024 analysiert. Das Ergebnis: Der Trend aus den Vorjahren setzt sich fort. Während die Haushalte immer bewusster mit der Heizenergie umgehen und weniger verbrauchen, steigen die Kosten weiter – wenn auch nicht so stark wie im Vorjahr.
Tippapatt – istock.comStatistiken zur Wärmekostenabrechnung 2024/2025
Durchschnittswerte aus den von Brunata Minol abgerechneten Gebäudebestand mit Verbrauchs- und Kostendaten für Heizöl, Erdgas und Fernwärme.
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